Besondere Züge und
Spielsituationen
In diesem Kapitel
sollen einige Sonderzüge behandelt werden. Gemeint sind hier nicht die der
Deutschen Bundesbahn, sondern solche Züge auf dem Schachfeld, die aufgrund
ihrer Sonderstellung eine außerordentliche Situation in einem Schachspiel
darstellen oder die aufgrund einer
Sonderregel nur selten oder teilweise oder nur einmal in einem Spiel vorkommen. Schach und
schachmatt Bedroht
eine Figur den gegnerischen König dergestalt, dass diese ihn im nächsten Zug
schlagen könnte, so handelt es sich um ein Schachgebot. In der nachfolgenden Abbildung ist weiß
am Zug. ..... und bietet durch Lc6
dem gegnerischen König Schach:
Weiß
droht also, den gegnerischen König im nächsten Zug zu schlagen. Gelänge ihm
dies, wäre der König schachmatt und das Spiel wäre für schwarz verloren. Natürlich
ist aber nach Lc6 schwarz am Zug und hat die Möglichkeit, das Schachgebot
abzuwehren. Dies kann ganz einfach dadurch erfolgen, indem der König aus der
Gefahrenzone gerückt wird:
Im
obigen Beispiel hat schwarz nach dem weißen Zug Lc6
mit dem Zug Kf7 geantwortet und damit das Schachgebot abgewehrt: weiß
kann nun nicht mehr den schwarzen König schlagen. Schwarz hätte gleichermaßen
auch Kd8, Kf8 oder Ke7 spielen können und damit ebenfalls das Schachgebot
pariert. Es
gibt aber noch andere Möglichkeiten, ein Schachgebot abzuwehren. In der
Situation in der nachfolgenden Abbildung hat schwarz, außer dem Verrücken des Königs, noch
zwei weitere Möglichkeiten, das Schachgebot abzuwehren:
Das
Schachgebot kann also auch abgewehrt werden, indem eine Figur zwischen der
schachgebenden Figur und dem König
gezogen wird oder indem die schachgebende Figur geschlagen wird. Befindet
sich eine Partei in der Situation, in der ein Schachgebot nicht durch eine der
drei oben beschriebenen Möglichkeiten – Verrücken des angegriffenen Königs,
Setzen einer Figur zwischen schachbietender Figur und König oder Schlagen der
schachbietenden Figur – pariert werden kann, so ist der König schachmatt und
die betreffende Partei hat das Spiel verloren. In
der nachfolgenden Abbildung ist schwarz am Zug .... ...
und kann weiß mit Da8 schachmatt setzen:
Der
weiße König ist schachmatt, weil er das Schachgebot der schwarzen Dame nicht
abwehren kann, d.h. er kann keine Situation herbeiführen, in der er nicht im nächsten
Zug durch die Dame oder den Turm geschlagen werden könnte. Es sollte hier
nochmals klar hervorgehoben werden, dass der König nicht auf ein solches Feld
ziehen darf, in dem er sich selbst in ein Schachgebot begeben würde. Die Flucht
des Königs auf die 7er-Linie ist also nicht möglich, weil er sich in ein
Schachgebot durch den Turm begeben würde. Nachfolgend
finden Sie ein weiteres Beispiel für ein Schachmatt: in der Situation, die in
der nachfolgenden Abbildung dargestellt ist ....
...
erfolgt der gewinnbringende Zug, indem der Turm auf f1 bewegt wird:
Erinnern
Sie sich dabei bitte an die bereits beschriebene Regel, dass die beiden Könige
niemals in angrenzenden Feldern stehen dürfen. Die Felder g2 und h2 sind somit
für den weißen König tabu, Züge auf diese Felder wären irregulär. Weiß
ist also schachmatt! Das
Remis Wenn
keine der beiden Parteien die Partie gewinnen kann, endet sie remis, also
unentschieden. Es gibt mehrere Situationen, die ein remis herbeiführen. Eine
von ihnen jst das Patt. Eine Patt liegt dann vor, wenn sich eine Partei in einer
Situation befindet, in der er keine andere Zugmöglichkeit hat, als seinen König
in ein Schach zu setzen. Die nachfolgenden Abbildungen veranschaulichen dies:
Weiß
hat aufgrund seiner materiellen Übermacht alle Chancen, diese Partie zu
gewinnen, begeht aber einen Riesenfehler..... ... indem die Dame auf c7 gesetzt wird, denn es handelt sich hierbei um eine Pattsituation: die schwarzen Bauern können nicht ziehen, da sie von gegnerischen Figuren blockiert werden, also müsste der König ziehen. Dies ist aber auch nicht möglich, da es keinen Zug für den König gibt, mit dem er sich nicht selbst ins Schach setzen würde. Schwarz kann somit keinen regulären Zug durchführen. Die Folge: die Partie endet (sicherlich zur Enttäuschung von weiß) remis! Es
gibt noch weitere Situationen, die ein remis herbeiführen: Remis durch Vereinbarung
Die vermutlich häufigste ist die, dass sich
beide Parteien über ein remis verständigen. Dies wird insbesondere bei in etwa
gleichstarken Gegnern oft der Fall sein. Beschließt ein Spieler, dass es keinen
Sinn hat, das Spiel fortzusetzen, da er nicht gewinnen kann, kann er seinem
Gegner ein remis anbieten. Dieser kann den Vorschlag annehmen oder – wenn er
der Ansicht ist, dass er die Partie gewinnen kann – ablehnen.
Remis durch unzureichende Anzahl an
Figuren
Remis
durch die 50-Zug-Regel
Remis
durch 3-malige Wiederholung
Das Schlagen „en passant“ Ein
weiterer der besonderen Züge und Spielsituationen betrifft den Bauern: das
Schlagen „en passant“: Ein
Bauer kann "en passant" (französisch für „im Vorbeigehen“)
geschlagen werden, wenn er aus seiner Ausgangsstellung zwei Felder nach vorne
zieht und dabei ein Feld überschreitet, das ein gegnerischer Bauer bedroht.
Die
Spielfolge ist also wie in den obigen Abbildungen dargestellt: der weiße
Bauer steht auf e4 und kommt neben dem gegnerischen Bauern zum Stehen. Der
schwarze Bauer hat nun das Recht, so zu handeln, als habe weiß seinen Bauern
nur um ein Feld vorgerückt, d.h. er darf den imaginär auf e3 stehende Bauern
schlagen. Abbildung 45 zeigt die Endposition dieser Zugvariante. Das
Schlagen „en passant“. darf nur
im unmittelbaren Antwortzug folgen! Die RochadeDie
Rochade kann auf jeder Seite nur einmal pro Partie durchgeführt werden.
Unterschieden wird zwischen der großen und der kleinen Rochade. Die Rochade ist
der einzige Zug im Spiel, mit dem ausnahmsweise zwei Figuren, nämlich der König
und der Turm, gleichzeitig bewegt werden dürfen. Dabei wird der König zwei
Felder in Richtung des jeweiligen Turms bewegt, und dieser wird über den König
hinweg gehoben und kommt unmittelbar neben ihm zu stehen:
In den
obigen Abbildungen wurde eine kleine und eine große Rochade durchgeführt.
Klein deswegen, weil der Turm hier zwei Felder weit gewandert ist, während
er bei der großen Rochade drei Felder weitergerückt ist. Bei der kleinen
Rochade bewegt sich also der weiße König nach rechts und der schwarze nach
links! Eine
Rochade ist nur dann möglich, wenn -
der König und der betroffene Turm noch auf ihren Originalpositionen stehen und
noch nicht bewegt wurden -
keine anderen Figuren zwischen dem König und dem betroffenen Turm stehen -
die neue Position den König nicht in Schachposition bringen würde oder wenn
der König nicht über ein Feld hinweggeht, in dem ihm Schach geboten würde. Zu
dem letztgenannten Punkt nachfolgend zwei Beispiele:
Hier
wäre dem Spieler mit den weißen Figuren eine kleine Rochade nicht gestattet,
da die Endposition des Königs g1 wäre, wo er aber durch den schwarzen Läufer
mit einem Schachgebot bedroht würde. Eine große Rochade hingegen wäre in der
obigen Situation möglich.
Auch in
dieser Situation wäre eine kleine Rochade nicht möglich. Der König käme zwar auf
das nicht bedrohte Feld g1 zum Stehen, müsste aber, um dorthin zu gelangen, das
Feld f1 überqueren. Dort aber wäre er einem Schachgebot durch den Läufer
ausgesetzt. Eine
große Rochade wäre möglich. Zwar müsste der Turm mit b1 eine Feld überqueren,
auf dem er vom Springer geschlagen werden könnte, aber die Regel des Nichtüberquerens
bedrohter Felder betrifft nur den König, nicht aber den Turm.
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